LECKEN 3000
von lynn t musiol
Inhalt
Eine unerwartete SMS ihrer früheren Lehrerin Ute bringt Ari aus dem Gleichgewicht. Vor über zehn Jahren verband die beiden ein enges Verhältnis, das Ari bis heute nicht loslässt. Nun, Ende zwanzig, beginnt sie, im Kreis ihrer Freund:innen und in Gesprächen mit Ute, ihre Erinnerungen aufzuarbeiten und eine schwerwiegende Frage zuzulassen: War das, was mir damals passiert ist, Missbrauch?
Der Gewinnertext des Retzhofer Dramapreises 2025 ist ein witziges, schnelles, wie brisantes Drama zum Thema Machtmissbrauch bzw. Gewalt in queeren Beziehungen. lynn t musiol überrascht mit einem Figurenarsenal von größter Unverkennbarkeit, Direktheit und Unverfrorenheit, die in “gedanklicher und handwerklicher Brillanz” entworfen sind “ohne mittelmäßigem Kompromiss” (Jury-Statement). Das Stück ist der Versuch, das Unbequeme und Widersprüchliche mit Wucht und Tempo sag- und fühlbar zu machen. Der junge Regisseur Claus Nicolai Six, der das letzte Gewinnerstück des Retzhofer Dramapreises, MUTTERTIER, 2024 am Schauspiel Köln inszenierte, feiert mit LECKEN 3000 sein Debüt an der BURG.
Mehr Informationen zum prestigeträchtigen Retzhofer Dramapreis 2025, s. https://www.burgtheater.at/produktionen/lecken-3000
Regieteam
Text lynn t musiol
Regie CLAUS NICOLAI SIX
Bühne JULIA ROSENBERGER
Kostüme MARIE THERESE FRITZ
Choreographie SABINA PERRY
Sound FARCE
Dramaturgie CHRISTINA SCHLÖGL
Premiere
Samstag / 13. Dezember 2025 / Burgtheater Wien (Vestibül) / Uraufführung
Szenen-Photos: Tommy Hetzel, Burgtheater
Pressestimmen
“LECKEN 3000 heißt der kluge Gewinnertext des Retzhofer Dramapreises 2025 von lynn t musiol, den Regisseur Claus Nicolai Six am Samstag im Burgtheater-Vestibül zur Uraufführung gebracht hat. (…) Eine der Starken dieser intimen, unterhaltsamen 80 Minuten ist es, dass der Grauzone zwischen Liebe and Missbrauch keine Eindeutigkeit aufgepfropft wird. Die queere Gesellschaft karikiert eigene Rituale, ohne sich selbst zu denunzieren. Erzählerische Kurven von Ironie and Ernsthaftigkeit sind blendend in Balance. In den Dialogen zwischen Ari and Ute entfesseln sich Positionen Ober Verantwortung, Macht, Nähe, Lust — doch weder der Text noch das beeindruckende Ensemble erheben sich zu schnellen Schlüssen. Die Fragen begleiten das Publikum in die Nacht. Fazit: Feiner Debattenbeitrag, ohne sich mit Antworten aufzuplustern. Große Empfehlung” — oö nachrichten (14.12.25)
“Der Titel klingt nach Provokation und nach Pornografie, doch spielt er mit Assoziationen, die im Stück bewusst nicht eingelöst werden: lynn t musiol, 2025 mit dem Retzhofer Dramapreis ausgezeichnet, verhandelt das Thema Machtmissbrauch unter Frauen im queeren Milieu, mit der Sprache und Referenzen der Gen-Z-Generation. (…) Regisseur Claus Nicolai Six (…) holt das Beste aus dem Text heraus. Die Inszenierung ist bewusst überzeichnet, manchmal grell, und genau darin liegt ihre Stärke: die zeitgenössische realistische Handlung wird dadurch konterkariert. Die Kostüme von Marie Therese Fritz tragen ebenfalls wesentlich dazu bei. Latex dominiert die Kleidung und auch das Bühnenbild von Julia Rosenberger, stets an der Grenze zum Vulgären, diese jedoch nie ganz überschreitend. Der Text verzichtet weitgehend auf moralische Wertung. Widersprüchliche Wahrnehmungen von Ari und Ute werden auf der Bühne verhandelt, der Täterinnenperspektive, durch Ute selbst, wird Raum gegeben. (…) Elektronische Musik und choreografierte Tanzsequenzen, wie Liebesszenen in Zeitlupe, passen zur Clubästhetik.” — die presse (14.12.25)
“lynn t musiols Sprache, die durch eine ornamentale Fülle an popkulturellen Anspielungen auffällt, entlockt dem Premierenpublikum immer wieder Lacher, andere Pointen verpuffen hingegen wirkungslos. Beim Bühnenbild (Julia Rosenberger) fallen die großen, bunten Wabbelobjekte auf, bei den Kostümen (Marie Therese Fritz) gibt es Lack, Flausch und Glitzer.” — nachtkritik (14.12.25)
“LECKEN 3000, inszeniert vom jungen Regisseur Claus Nicolai Six, lebt dabei vom Text. Der springt zwischen Tragik, Realismus und Komik hin und her. (…) Dadurch öffnet sich ein breites, wenn auch teils nur episodenhaft angedeutetes Spektrum an verschiedenen Erfahrungen von Queerfeindlichkeit, von positiver Diskriminierung und von Machtmissbrauch. Diese Fülle an Facetten, Abschweifungen und Andeutungen macht die Inszenierung von LECKEN 3000 sehr eindrücklich.” — taz (14.12.25)